die Herthaquelle – eine schamanische Kartographie

Schöne Fotostrecke rund um die Herthaquelle
Lesezeit ca 12min. In diesem Artikel: 
Botschaften – gemeinsame Begehung – Bericht zur Kartographie

Traditionell wird zum Frühjahresfest eine Quelle aufgesucht. Das dort geschöpfte Wasser habe besondere Kräfte und wurde am besten nackend nach Hause gebracht.
Diesem und anderen Impulsen folgend war deshalb die Hertha-Quelle Teil unserer diesjährigen Zeremonie zur Tag-und-Nacht-Gleiche.* Dazu hat Raphael eine energetische Kartografierung des Geländes vorgenommen, damit wir uns diesem – topografisch buchstäblichen – Schoß der Wasser mit Gespür und Respekt nähern können.

*Dies heißt eigentlich Equilux und ist in unseren Breitengraden ein paar Tage früher als das astronomische Phänomen der Sonnen-Äquatorquerung – aber der Verständlichkeit halber bleiben wir beim üblichen Sprachgebrauch.


Botschaften aus der Anderswelt

Im Vorfeld zu unseren Jahreskreisfesten reisen wir in die Anderswelt. Diesmal besonders oft, da sich im näheren Umfeld Unstimmigkeiten zeigten, eine Reise-Arbeitsgruppe aus dem Draupnirkreis entstand und natürlich wie immer die Gottheiten zu Fest eingeladen werden wollten.
Das vorherrschende Thema, das sich zeigte, war das Wasser, vor allem die Übergänge wie Quellen, Brunnen und Flussmündungen – wir waren nicht überrascht, ist es doch besonders dringlich und in Midgard der Umgang damit auffallend respektlos heutzutage.
Eine Analogie von Quellen zu Bauchnäbeln kam auf, als lebendige Verbindung an die nährende Erde, in das geheimnisvolle Erdinnere.
Raphael begegnete Hertha (sie ist eine der alten Erdgöttinnen und eine Schwester von Frau Holle) und sie hatte ein rotes Band um ihr Kleid, das den Bauchnabel umschlang und ihr Wunsch war, dass kein Konflikt mit an die Quelle gebracht werden solle, sonst wäre sie nicht anwesend. So solle auch das Fließ nicht gequert oder in den Schoß der Quelle vorgedrungen werden, überhaupt einfach nichts „gemacht“ werden.

„Quellen – die Bauchnäbel der Erde“

Ein weiterer Aspekt, der sicher miteinfließen kann, ist der Besuch der Kogi 2022 an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, die ebenfalls die Quelle und den Wald dort besucht haben. Sie zeigten sich mit der Situation mit dem Zoo, dem häufigen Besuch durch Menschen und dem Schöpfen von Wasser nicht einverstanden. Hier eine Aufzeichnung des Dialogs an der HNEE. Die Vertreter der Kogi machten besonders nachdrücklich klar, dass zu unser Aller Wohle ein feineres Bewusstsein für die Qualität des Ortes entwickelt werden sollte.


Begehung zum Frühjahres-Equinox

Am Ende waren wir nur zu viert, die am frühen Nachmittag kurz hinterm Zoo zusammenkamen. Ganz am Anfang, noch ein gutes Stück außerhalb des energetischen Feldes der Quelle, legten wir unsere Taschen ab und bauten einen kleinen „Arbeitsaltar“ auf (auf der Karte unten rechts). Nachdem wir das nähere Umfeld von Tretminen gesäubert hatten, führten wir eine Elementenreinigung an uns durch.
Wir alle trugen Hertha zu Ehren und zum Schutz des intimen Bauchnabels einen roten Schal oder ein Band um die Körpermitte. Manche beschlossen, barfuß zu gehen, manche führten noch eine Übung zur Öffnung der Wahrnehmung durch.

Raphael hatte ein paar Tage vorher reingespürt, was eine gute Strecke sein könnte, um das Feld der Quelle und seine Grenzen wahrzunehmen. Wir würden in einigem Abstand zueinander losgehen, um einander Raum für die Wahrnehmung zu lassen. Jedes von uns bekam ein kleines rotes Bändchen, das an einem bestimmten Ort befestigt werden kann, den mensch markieren möchte.
Raphael ging vorweg und setzte das erste Bändchen und das letzte. Treffpunkt war kurz nach der Brücke, die über das Herthafließ führt (auf der Karte unten links).
Auf dem Rückweg gab es die Möglichkeit, sich auszutauschen, was an welchen Stellen erlebt wurde. Dabei nahm jedes von uns das selbst angebrachte Bändchen wieder ab – der Knotenmagie folgend und Herthas Anweisung, nichts an der Quelle zurückzulassen.

Die Stellen, an denen es besondere Wahrnehmungen gab, haben wir in der Karte hervorgehoben oder rot markiert. Zum Beispiel wichtige Baumleute, unruhige Kreuzungen und verschiedene Dichten, die den Rand des Feldes der Quelle anzeigten.
Hier wollen wir nicht näher auf die einzelnen Erlebnisse eingehen, damit die Wahrnehmung offen bleibt für alle, die diesem Experiment folgen wollen. Allein zum Wasserschöpfen der Hinweis, dass es Zoo-seits direkt nach der Brücke einen weiteren kleinen Quellzulauf in das Herthafließ gibt (siehe Karte), wo es sich angemessen anfühlte, Wasser zu entnehmen.


Der Ruf der Quelle

Bericht zur Kartographie 9. März – Raphael

Es war langsam dunkel geworden als ich nach dem letzten Telefonat mit meinen 2 Freunden an der Bushalte am Zoo anhielt und das Telefon den Geist aufgab.

Jetzt lag es an mir. Planänderung:

ich geh vor und mache eine schamanische Kartografierung der Quelle und schaue, ob die Göttin Hertha dort wohnt.

ich fahre vor zum Eingang des Waldes und parke mein Fahrrad, das Schneegestöber setzt wieder ein, die Rune, die ich ziehe, ist Wunjo – das heißt Glück, Wonne oder Zugehörigkeit.

ich schaue auf den alleinigen Weg vor mir und begrüße die ersten Baumgeister mit Haselnüssen, Apfelstücken und Brotkrummen. Auch für die Findlinge und das kleine Volk lasse ich Opfergaben da und bitte um Eintritt in den Wald.

Mit summender Wohligkeit führen sie mich zu einem kleinen Platz außerhalb des Feldes der Quelle. Ich erichtete ein kleinen Elementen-Altar auf einem Baumstumpf und hängte eine Lichterkette im Baum auf, welches ein Wunjo-Zeichen ergab.

ich reinigte den Platz um mich mit Rauch, Kerze, Wasser und einem Apfel, also Repräsentanten für Luft, Feuer, Wasser und Erde.

ich ging ins Spüren mit Rassel und Rauch in kleinen immer größeren Kreisen und näherte mich der Quelle. Ich erkundete das drum herum, gab Rauch, auch manchmal sehr lange und ließ es fließen. Als ich mich den Wächterbaum und der Göttin näherte, sprach sie mit mir und meinen Gedanken. Zu Thema Grenzen sagte sie mir, wie wichtig sie sind und dass ich gute Arbeit mache und sie fortführen solle.

Viele Bäume, wo ich hielt, waren froh darüber, ein Ohr für sie zu haben, manche besung ich.

ich war froh über den Schnee und es zog mich tatsächlich immer wieder zu meinem Ausgangspunkt aus dem energetischen Feld der Quelle raus. Es war kein Platz zum entspannten Verweilen, die Energie war dicht und nicht gewöhnlich. Sie half, in den Fluss zu kommen und regte an. Ehrfurcht und Altes konnte sich auf Augenhöhe begegnen.

An der Stelle wo der Baumstumpf als das Ohr der Göttin deutete, legte ich einen ganzen Apfel hin. Als ich unten mitten auf dem Weg fast über eine heruntergefallene Astkugel stolperte, nahm ich sie hoch als Schutz für ihren Altar, war aber unsicher, ob ich sie richtig platzierte.

Es ist eine gute Strecke vom Ausgangspunkt und zur Bank und dann runter zurück und wieder hoch – ohne die Quelle zu überqueren. Dies erscheint mir wie Ruhestörung. Ich war etwas traurig, dass ich meine Freunde nicht traf, aber froh über den Prozess.

ich baute den Altar am Ausgangspunkt ab und nahm zum Schluss die ruhegelegene Räucherschale vom Hertha-Kommunikations-Altar-Stumpf und verabschiedete mich, die erkühlte Kohle war als Knopf dageblieben.

ich erinnerte mich, wie ich mich ihr anfangs näherte: Meine Haltung war die einer Hagazussa

"ich bin da"


Dank an die „Reisegruppe Anderswelt“ initiiert von Haga Frey.
Danke Lena für das Bauchnabel-Gleichnis.
cc 2023 – Zeichnung: melamint.net
nichtkommerzielle Verwendung erlaubt bei Nennung der Urheberin
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